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Wichtige Corona-Antworten von Regensburger Virusexperten

Professor Dr. Bernd Salzberger - UKR/UK4 Fotografie

Prof. Dr. Bernd Salzberger, Infektiologe am Uniklinikum Regensburg hat charivari die wichtigsten Fragen zum Corona-Virus beantwortet

Wie gefährlich ist Covid-19? Viele haben Angst, daran zu sterben, wenn sie mal infiziert sind...

Corona ist für die meisten Menschen zum Glück nicht gefährlich. Wir gehen davon aus, dass die Infektion bei über 90 % aller Infizierten mit nur milden Beschwerden abläuft.

Für wen (Männer oder Frauen, Alte oder Junge...) ist Covid-19 am gefährlichsten und warum?

Das Problem bei der Corona-Virus-Infektion sind alte und vorerkrankte Menschen. Die können tatsächlich schwere Komplikationen haben und - wie wir in anderen Ländern sehen können – tatsächlich an dieser Infektion sterben.

Sind schwangere Frauen besonders gefährdet? Was passiert mit dem ungeborenen Kind, wenn die Mutter an Covid-19 erkrankt ist?

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass dieses Virus in der Schwangerschaft Schäden anrichtet. Das ist allerdings noch ein sehr neues Virus. Die Erkenntnisse sind noch sehr früh. Da werden wir noch viel darüber lernen. Aber im Augenblich gibt es keine Erkenntnisse dazu, dass es in der Schwangerschaft Schäden anrichtet.

Wie groß ist die Gefahr für Neugeborene?

Da kann man im Augenblick nichts dazu sagen. Es sieht so aus, als ob Kinder schlechter infiziert werden und auch weniger krank werden. Das Neugeborene hat ja zum Glück noch eine ganze Menge Immunstoffe, Abwehrstoffe, die es über das Blut der Mutter bekommt, aber auch über die Muttermilch. Neugeborene haben zwar noch kein gutes eigenes Immunsystem, aber sie kriegen durchaus einen Nestschutz von der Mutter mit.

Wann "reicht" eine häusliche Quarantäne und wie läuft das ab?

In fast allen Fällen reicht im Augenblick die häusliche Quarantäne aus. Allerdings stößt das natürlich an die Grenzen, wenn es zu einer Lungenentzündung kommt. Das entscheidet in der Regel dann der behandelnde Hausarzt, ob eine Krankenhauseinweisung notwendig ist.

Welche Behörde ist dann für mich zuständig und wer erlaubt mir, wieder raus zu gehen bzw. die Quarantäne zu beenden?

Da gibt es sozusagen ganz klare Regeln dafür. Dann darf das Virus nicht mehr nachweisbar sein und dann kann man auch wieder aus der Quarantäne raus.

Wie sieht die Therapie aus bei Covid-Patienten?

Im Augenblick behandeln wir vor allen Dingen die Komplikationen, also wenn es zu Lungenentzündungen kommt, kommt es häufig auch zu bakteriellen Infektionen. Die kann man gut behandeln. Es gibt bis jetzt noch keine zugelassenen Medikamente gegen das SARS-CoV-2. Es gibt ein paar Hinweise, dass einige Medikamente helfen könnten, aber das ist noch zu unsicher, um die wirklich im breiten Stile einzusetzen.

Wie gut sind Kliniken in Regensburg, Niederbayern und der Oberpfalz für das Szenario gerüstet?

Ich glaube, wir haben in Deutschland ein wirklich gut ausgebildetes, motiviertes Gesundheitssystem. Insofern glaube ich, wir sind so gut gerüstet, wie wir sein können. Das hängt jetzt ein bisschen davon ab, wie gut die Bevölkerung auch mitarbeitet bei den Maßnahmen, die unter anderem die Regierung und die Gesundheitsämter ja anordnen. Wir müssen es schaffen, diese Welle von Infektionen so flach und so tief wie möglich zu halten. Also es darf keine hohe Welle kommen. Weil: unsere Krankenhäuser sind natürlich darauf vorbereitet, alle anderen Krankheiten zu behandeln, und wir behandeln auch weiterhin Herzinfarkte, Schlaganfälle und alles was obendrauf kommt, belastet natürlich das System sehr.

Wenn ich schon mal Corona hatte bzw. Covid-19, bin ich dann automatisch immun oder kann ich mich erneut infizieren?

Es gibt Hinweise darauf, dass vielleicht – ich kann die Prozentzahl nicht sagen – dass vielleicht einer in Zehntausend nicht immun gegen eine zweite Infektion ist. Da gibt es tatsächlich Einzelfälle. Aber wir müssen bedenken, wir haben auf der Welt mittlerweile über 100.000 Fälle und die allermeisten Fälle sind nach der Infektion immun. Geschützt gegen eine zweite Infektion.

Wie kann ich mich schützen - außer intensive Handhygiene, TempoTaschentücher nur ein Mal nutzen und dann in einem Behälter mit Deckel entsorgen, Nies- und Hust-Etikette einhalten und Menschenansammlungen meiden?

Ja. Sozusagen der vernünftige Abstand zu anderen Menschen. Große Veranstaltungen vermeiden. Im Augenblick nicht sich in Gasthäusern laut und lebhaft unterhalten und sich anbrüllen. Das sollte man in der Situation jetzt sowieso nicht tun, man muss die Ruhe bewahren.

Kann ich mein Immunsystem jetzt stärken, damit ich nicht Covid-19 bekommen, wenn ja wie? Viel Vitamine oder so?

Eigentlich ist unsere Ernährung mit allem, was wir auch über den Winter bekommen, mit Vitaminen gut ausgestattet. Zusätzliche Vitamine sind nicht unbedingt notwendig.

Sollte ich keine Desinfektionsmittel gehamstert haben und jetzt nichts mehr davon haben, ist das jetzt schlimm?

Nein. Nutzen Sie Seife. Seife und Wasser sind gegen das Virus super wirksam.

Einschätzung zur aktuellen Lage: Immer mehr Corona-Fälle in der Region, das öffentliche Leben läuft schon jetzt unter Einschränkungen, viele Veranstaltungen werden abgesagt - wie geht es jetzt vermutlich weiter?

Ich hoffe, dass diese Maßnahmen dann Wirkung zeigen und die Welle, die wird eine Zeit lang noch weiter ansteigen, wir werden weitere Fälle in der Region haben und wir werden auch weitere Fälle im Krankenhaus haben. Ich hoffe, dass irgendwann diese Maßnahmen dann greifen und diese Welle flacher wird. Und vielleicht kommt dann auch der Frühling und hilft auch noch ein bisschen dabei. Wir werden aber sicherlich über den April noch genug zu tun haben. 

Absage von Veranstaltungen, Geisterspiele beim Fußball – ist das Ihrer Meinung nach sinnvoll oder hysterisch?

Ja das ist sehr sinnvoll. Das sollte man soweit wie möglich tun.

Was raten Sie Arbeitgebern?

Das müssen die Firmen tatsächlich sehr gut entscheiden, wer möglicherweise im Homeoffice arbeiten kann, wie man Schichten so organisiert, dass die Mitarbeiter sich z.B. beim Umkleiden nicht ständig auf der Pelle sitzen. Da muss man gucken, wie man in so einer Situation vernünftig für einen Abstand sorgen kann.

Was raten Sie Schulleitern?

Bei Schulleitern – Ich bin etwas skeptisch, ob Schulschließungen das richtige Werkzeug sind. Das hängt damit zusammen, dass Kinder tatsächlich selten wirklich krank werden an dieser Infektion. Ob eine Schließung von Schulen tatsächlich einen Effekt hat, kann ich nicht gut beurteilen, aber dazu bin ich auch nicht der Fachmann, muss ich ganz ehrlich sagen. Das ist eine Frage, die tatsächlich über meine Kompetenzen ein kleines Stück hinausgeht.

Was soll die Politik jetzt schnell umsetzen?

Die Politik hat jetzt eine ganze Menge umgesetzt, zum Beispiel auch die Verschiebung des Semesters bei der OTH. Man denkt natürlich auch dann schon ein bisschen weiter: Müssen wir auch unsere Semester an der Uni verschieben? Darüber denkt man auch nach. Ich glaube, die Politik ist im Augenblick mit den Maßnahmen auf der richtigen Spur, das geht in die richtige Richtung. Was wir uns jetzt noch wünschen würden, ist dass die Politik uns auch bei der Beschaffung von Medikamenten, von Schutzausrüstung weiterhilft.

Wie „gefährlich“ ist Bus- bzw. Bahnfahren?

Das sollte man einschränken soweit es geht. Aber das geht nicht immer, das ist klar.

 Woran liegt es, dass die Situation in Italien so schlimm ist?

Ich glaube, die Italiener haben mehrere Einschleppungen des Virus parallel gehabt und haben diese Einschleppungen über eine längere Zeit nicht gesehen. Und dann ist diese Welle, von der ich vorhin gesprochen hab, mit sehr, sehr großer Wucht losgelaufen und sehr schnell sehr hoch geschwappt. Und das ist eine Situation, die sehr gefährlich ist. Die Italiener haben ein gutes Gesundheitswesen. Dass es in Norditalien passiert, müssen sie denken, das gilt eigentlich als das „deutsche Italien“, sag ich mal so vorsichtig. Die sind tatsächlich von dieser Welle überrollt worden, und wir müssen alles tun, um diese Welle flach zu halten.

Und wenn ich noch etwas an die Hörer von Charivari sagen darf: Bitte kommen Sie nicht ohne große Beschwerden und ohne klares Risiko zu uns zum testen. Wir können nicht alle Menschen testen, die Sorge haben, dass sie infiziert sind, sondern müssen uns beim Testen auf die konzentrieren, die wirklich einen Test brauchen. Und im Notfall entscheiden wir das.

Wenn ich mich sorge, dass ich mich infiziert haben könnte, bei wem rufe ich da erstmal an?

Beim Hausarzt, zunächst einmal. Dafür reichen die Hotlines nicht aus im Moment, das wissen wir. Aber deswegen sollten auch die Bürger ein bisschen Ruhe bewahren. Wie gesagt, den meisten Menschen wird diese Infektion nicht schaden.

 

Meldung vom 11.03.2020 13:44 Uhr

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