Regensburger Rettungsschiff „Sea-Eye 4“ bringt 108 Gerettete in Livorno in Sicherheit

Am 23.12.2022 erreichte die SEA-EYE 4 mit 108 geflüchteten Menschen den Hafen von Livorno. Drei Menschen mit schweren Verätzungen, die sie sich auf ihrem Boot durch ausgetretenes Benzin zugezogen hatten, mussten direkt vom Schiff in ein Krankenhaus gebracht werden. Am Mittag konnten schließlich alle Menschen das Rettungsschiff verlassen.

Während der Rettungsmission konnte die Crew zwei Seenotfälle finden und alle Menschen retten. Während sowohl die Zusammenarbeit mit anderen NGOs wie Mission Lifeline als auch mit Handelsschiffen wie der MTM SOUTHPORT gut funktionierte, gab es von den zuständigen Rettungsleitstellen keinerlei Unterstützung. Im Gegenteil: Wenn es nach den italienischen und maltesischen Behörden gegangen wäre, würde die SEA-EYE 4 mit deutlich weniger geretteten Menschen in Livorno anlegen. So versuchte die maltesische Rettungsleitstelle aktiv, die zweite Rettung zu verhindern, indem sie Handelsschiffe unter Androhung von Konsequenzen dazu aufforderte, den Seenotfall zu ignorieren.

Die Hafenzuweisung durch italienische Behörden erfolgte erstmals proaktiv und noch während eines laufenden Rettungseinsatzes.

Es deutet vieles darauf hin, dass es eine neue Strategie der italienischen Behörden ist, so schnell wie möglich Häfen zuzuweisen, die so weit wie möglich entfernt sind. Damit wird versucht Rettungsschiffe so schnell und lange wie möglich aus dem Einsatzgebiet fernzuhalten. Die Strategie ändert sich, doch das Ziel der Behörden bleibt das Selbe: die Rettung von Menschen zu erschweren, um die Zahl der Ankünfte in Europa zu reduzieren”, so Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e.V.

In den vergangenen Tagen hat das medizinische Team an Bord alle 108 aus Seenot geretteten Menschen erstversorgt. 20 Geflüchtete litten unter mittleren bis schweren Verätzungen durch ausgetretenes Benzin. Drei besonders schwere Fälle mussten direkt vom Schiff ins Krankenhaus gebracht werden. Ich bin froh, dass alle Geretteten nun an Land und in Sicherheit sind”, bilanziert Einsatzärztin Nour Hanna von German Doctors e.V.

Im Januar soll die SEA-EYE 4 eigentlich direkt in die nächste Mission aufbrechen. Leider steht die Finanzierung wegen eines Spendeneinbruchs um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf der Kippe. Wir sind deshalb in großer Sorge, im kommenden Jahr weniger Missionen durchführen zu können”, so Isler.

Maik Lüdemann - Sea Eye, © Maik Lüdemann - Sea Eye