Ratingagentur droht den Europäern
Transparenz tut weh und macht auch wütend! Kaum etwas könnte diese Erfahrung besser bestätigen, als die fast täglich eintreffenden Drohungen der drei amerikanischen Ratingagenturen. Solange Moodys, Fitch und Standard and Poors nur Unternehmen runterstuften, oder kleinere Länder, hielt sich der Sturm der Entrüstung noch in Grenzen. Am Montag aber wagte sich die private Ratingagentur Standard&Poors sogar an jene Euro-Länder, die bisher als kreditwürdig galten. Und heute nun haben die Amerikaner noch mals eins draufgelegt: Sollte ein Mitgliedsstaat der Euro-Zone seine Kreditwürdigkeit verlieren, dann bekommt auch der Rettungsfonds EFSF, also der Schirm selbst, der Rettung verspricht, Löcher!
Spätestens heute also sollten die Europäer kapiert haben, worum es bei dem Euro-Gipfel ab Donnerstag geht. Wenn es ihnen nicht gelingt, ein wirklich tragfähiges Konzept gegen die Schuldenkrise zu zimmern, dann steht mehr auf dem Spiel als die Zukunft des Euro. Denn die Turbulenzen dieser Tage haben nicht nur eine ganze Menge mit Wirtschaft und Währung zu tun. Vielmehr kratzen speziell die drei privaten Ratingagenturen der USA spürbar am Selbstbewusstsein der Europäer. Und dies zu Recht: Denn wenn es Old-Europe seit Jahrzehnten nicht einmal gelingt, eine eigene Ratingagentur aufzubauen, sie gleichzeitig aber ratingorientierte Kriterien zum Maßstab der Kreditgewährung erhebt, dann wird deutlich: Dieser Kontinent ist noch längst nicht in der globalisierten Welt unserer Tage angekommen!
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