Hermann Kronseder hinterläßt gewaltige Lücke

Ein lebende Legende der ostbayerischen Wirtschaft ist nicht mehr. Hermann Kronseder ist am Wochenende im Alter von 85 Jahren gestorben. Der Firmengründer der Krones AG, des Weltmarktführers in der Verpackungsmaschinen-Branche, mit Sitz in Neutraubling, hinterlässt eine gewaltige Lücke, auch wenn sein Unternehmen für die Zukunft bestens gerüstet ist.

Mich persönlich faszinierte vor allem der Mensch Hermann Kronseder, auch wenn er sein Umfeld nicht selten überforderte. Seinen Ansprüchen zu genügen, war nicht leicht. Umso mehr zeigte sich der Firmengründer zuletzt aber sehr stolz darüber, auf welche Weise die zweite Generation mit dem Vorstandsvorsitzenden Volker Kronseder und seinem Stellvertreter Hans-Jürgen Thaus an der Spitze das Unternehmen zum Erfolg führte.

Sehr ernst nahm der Unternehmer Hermann Kronseder seine Bürgerrechte. Da er von seinem Naturell her ungeduldig und vorwärtsstürmend war, zeigte er zum Beispiel wenig Verständnis für ausufernde Bürokratie, so dass der langjährige Oberpfälzer Regierungspräsident Karl Krampol später einmal meinte: "Da konnte er dann sehr direkt, ja barsch und unfreundlich werden!" Dennoch betonte Krampol nicht nur einmal: "Ich wollte, wir hätten in der Oberpfalz mehrere Hermann Kronseders!"

Und vor welchem Hintergrund schaffte Hermann Kronseder diese Lebensleistung? Die "Lektion", die Hermann Kronseder in den dreißiger Jahren des vorherigen Jahrhunderts im oberpfälzisch-niederbayerischen Grenzgebiet südlich von Regensburg "eingebläut" bekam (Prügel gehörten damals zu den erprobten Erziehungsmethoden), hieß Armut. Daß er überhaupt Lesen und Schreiben lernte, verdankten er und seine Freunde in der einklassigen Dorfschule von Gailsbach einzig und allein einem jungen Lehrer. Diese sieben Schuljahre aber reichten aus. Sie machten Hermann Kronseder durstig nach Neuem, Unbekanntem, nach Wissen schlechthin, eine Neigung, die während der Ausbildung im Flugzeugwerk von Messerschmitt noch zusätzlich gefördert wurde. Weit über 600 Patente zeugen davon.

Deshalb wurde Dr. h.c. Hermann Kronseder immer wieder zum Zeitzeugen: Was man mit Hauptschule alles werden kann, Ehrendoktor, Millionär, erfolgreicher Chef eines Unternehmens mit 10 000 Mitarbeitern, einem Umsatz um die zwei Milliarden Euro und mit einer Exportquote von über 80 Prozent - überall in der Welt zu Hause!

Und dann natürlich die ersten Erfahrungen in der Flüchtlingsgemeinde Neutraubling. Hier zählte Kronseder Anfang der 50er Jahren zur Minderheit der "91 Bayern und übrigen Bundesdeutschen" (wie er gerne erzählte) gegenüber einer Mehrheit von Sudetendeutschen und Schlesiern. Der Name von Neutraubling war im Februar 1950 von einer Bürgerversammlung einstimmig beschlossen worden. 38 Unternehmen mit knapp 900 Beschäftigten hatten sich bis dahin schon angesiedelt. Ab 1951 dann erlebten die Gemeinde Neutraubling und das Unternehmen Krones fast im Gleichklang eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte - Neutraubling wurde zur Stadt erhoben und die Krones AG Weltmarktführer!

Die Aktienmehrheit hatte Hermann Kronseder bereits in den achtziger Jahren auf seine vier Söhne übertragen, die sich dieser Verantwortung durchaus gewachsen zeigten. Er selbst ließ es sich aber auch danach nicht nehmen, bis zuletzt immer wieder am Stammsitz seines Unternehmens vorbeizuschauen. Nicht nur dort wird man ihn vermissen.

Mo. 12. Jul., go


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