Es gibt keinen Ersatz für "Ostbayern"
Zwei Wirtschaftsbereiche, die für Niederbayern und die Oberpfalz schon traditionell, aber auch ganz aktuell, von großer Bedeutung sind, haben jetzt ihre aktuellen Zahlen vorgelegt. Und zu welchem Ergebnis sind Handwerk und Tourismus (und um sie handelt es sich!) in unseren Breiten gekommen?
Nun, da alle derzeit wohl eher an Urlaub denken, beginne ich mal am besten mit dem Tourismus, zumal derzeit ein deutlicher Trend zum Heimaturlaub spürbar ist. Davon aber könnten unsere eigenen Ferienlandschaften durchaus profitieren. Schon oder gerade im Krisenjahr 2009 hat es die Branche bei uns gar nicht so schlimm erwischt wie befürchtet. Als der Einbruch im Frühjahr 2009 überstanden war, gings bereits wieder aufwärts. Oder, wie die Botschaft auf der Jahreshauptversammlung des Tourismusverbands lautete: "Danach kamen wieder fast so viel Touristen zu uns wie im Jahr zuvor!"
Zusammengezählt waren es - aus Sicht der gewerblichen Beherbergungsbetriebe, also den Häusern mit mehr als neun Betten - über 4,2 Millionen Besucher, die im Schnitt 3,8 Tage bei uns blieben. Und noch eine Zahl, die man sich merken sollte: Der ostbayerische Fremdenverkehr registriert derzeit rund 16 Millionen Übernachtungen! Vor 60 Jahren, bei der Gründung des Verbands, waren es nur 500 000. was lediglich viereinhalb Prozent des bayerischen Tourismusmarktes ausmachte. Heute sind der Bayerische und der Oberpfälzer Wald, das Golf- und Thermenland, der Bayerische Jura und unsere attraktiven Städte mit über 21 Prozent an dem gesamten Tourismus-Kuchen des Freistaats beteiligt.
Und bei dieser Erfolgsgeschichte wollte man jetzt seinen Namen ändern? Warum? Ja, das ist eine fast schon alte, aber immer wieder von neuem aufgelegte Platte, und dies nicht nur beim Tourismusverband Ostbayern. Wer das Wort Bayern in seinem Namen trägt, wie Niederbayern oder der Bayerische Wald, der denkt an sich und die weltweite Strahlkraft Bayerns, und nicht an die Oberpfalz, die immer noch sehr leicht mit der Pfalz, Helmut Kohl und seinem Saumagen verwechselt wird. Doch ein besseres Kürzel für "Niederbayern und die Oberpfalz" zu finden, gelang weder in der Zeit des Eisernen Vorhangs, als der Zusatz "Osten" (Ostbayern) in der Tat eher negativ besetzt war, geschweige denn nach 1990. Seitdem kann man ja mit Osten sogar positive Aspekte verbinden. Im Osten geht bekanntlich auch die Sonne auf.
Doch Namen, Kunstbegriffe zumal, sollten nicht überschätzt werden. Natürlich kann man auch als "Niederbayern/Oberpfalz" Erfolg haben, wie die Handwerkskammer seit Jahrzehnten beweist. Aber auch in diesem Fall trugen historische Zufälle und Personen dazu bei, dass es zu dieser Lösung kam. Ohne die gleichwertige Betonung von Niedernbayern und der Oberpfalz wäre es dem niederbayerischen Hauptgeschäftsführer Anton Hinterdobler und dem Regensburger Präsidenten Bernhard Suttner in den 60er Jahren des vorherigen Jahrhunderts nicht gelungen, die beiden selbständigen Kammern zusammenzuführen. Der Erfolg gab ihnen recht: Heute beschäftigt das Handwerk in Ostbayern mit seinen 170 000 Mitarbeitern 15 Prozent aller Erwerbstätigen und bildet mit rund 20 000 Ausbildungsverträgen 36 Prozent aller Lehrlinge aus. Das kann sich doch sehen lassen!
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