Die Infrastruktur als Zukunftsbaustein
Fußball-Weltmeister sind wir heuer nicht geworden, den Titel "Exportweltmeister" hat Deutschland an China verloren. Wo wir aber weiterhin an der Weltspitze stehen, ist die Logistik. Woran liegt das? Und wie kann man Logistik überhaupt definieren?
Nun, in einer arbeitsteiligen Welt kommt es darauf, das richtige Gut in der richtigen Menge zur rechten Zeit am gewünschten Ort zu haben. Logistik ist in der Tat das Schmieröl unserer Weltwirtschaft, oder wie es der ehemalige bayerische Wirtschaftsminister und Ex-Bahnvorstand Otto Wiesheu formuliert:Um sich am Import zu erfreuen oder die Vorzüge des Exports zu genießen, braucht man erst einmal den Transport! Dass deutsche Unternehmen die weltweit anerkannt wirkungsvollsten Transportketten bilden können, liegt freilich vor allem an der einzigartigen Infrastruktur - ein Vorteil, mit dem wir aus Sicht der Weltbank zuletzt sogar Singapur und Schweden von der Logistik-Spitze verdrängen konnten.
Doch dieser Vorsprung kann auch sehr schnell wieder schmelzen, wenn man nicht kontinuierlich seine Hausaufgaben macht. Deshalb stand gestern im Mittelpunkt des diesjährigen Bayerischen Wirtschaftstages in Regensburg die schwindelerregende Prognose, dass bis 2025 der Straßengüterverkehr um 85 Prozent zunehmen werde.
Da kann einem ja angst und bange werden! Schon heute herrscht doch auf unseren Straßen längst das pure Chaos. Ja, deshalb muss - wie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer gestern auch betonte - die Eisenbahn-Infrastruktur gezielt ausgebaut werden. Und vor allem: Der Einwand, viele Güter wären per Schiene nicht transportfähig, darf nicht zur Ausrede werden! "Dann macht sie halt schienenfähig!" appellierte der CSU-Mann an die Unternehmer. Und Ramsauer hat recht: Die Verlagerung von der Straße auf die Schiene darf nicht nur eine Beschwörungsformel sein, sie muss endlich auch umgesetzt werden. Gleiches gilt für die Wasserstraße. Es wird doch wohl unserer renommierten Ingenieurkunst möglich sein, die Donau zwischen Straubing und Vilshofen so auszubauen, dass ökonomische und ökologische Aspekte gleichermaßen zu ihrem recht kommen. Ein Flaschenhals, der den Weg von Rotterdam zum Schwarzen Meer behindert, kann sich Deutschland, aber auch Ostbayern nicht leisten. Die Rhein-Main-Donau-Wasserstraße ist schließlich für Niederbayern und die Oberpfalz ein ganz entscheidender Zukunftsbaustein.
Schließlich dürfen wir uns nicht blenden lassen: Was die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) heute Vormittag als Sommerhoch bejubelt, ist eine Momentaufnahme. Die Zukunft von uns allen wird nicht vom Konsumklima im Juli 2010 entschieden. Viel wichtiger ist es, dass wir die Infrastruktur unseres Wirtschaftsstandortes Deutschland nicht vernachlässigen. Hier werden die Weichen gestellt, wo künftig die Musik wirtschaftlicher Prosperität spielt.
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