Auch Kultur braucht wirtschaftlichen Rahmen
Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie ist 40 Jahre alt - Sie werden fragen: Und was hat das mit Wirtschaft zu tun, worüber wir uns hier ja meistens unterhalten? Da ich mich das auch frage, gebe ich den Ball gleich mal weiter!
Nun, apropos Ball! Wie Du Dich vielleicht erinnerst, haben wir in den Wochen der Fußball-WM auch immer wieder den Spagat zwischen Sport und Wirtschaft gewagt. Kunst und Kultur aber haben eher noch mehr ökonomische Perspektiven, ja Wirtschaft, Politik und das gesellschaftliche Umfeld beeinflussen sogar die Inhalte künstlerischen Schaffens. Dass die Kunst, insbesondere der Künstler auch einen wirtschaftlichen Rahmen benötigt, ist auch nicht neu. Dieser Aspekt zieht sich vielmehr wie ein roter Faden durch die Kunstgeschichte. Speziell nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und der Trennung Europas in zwei ideologische Blöcke spielte auch auf unserer, der westlichen Seite die Förderung von Kunst und Kultur durch den Staat keine unwesentliche Rolle.
Im Mittelpunkt - und damit bin ich mittendrin im gestrigen Festakt "40 Jahre Kunstforum Ostdeutsche Galerie" - steht der berühmte Paragraph 96 des Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetzes aus dem Jahre 1953, der Bund und Länder zur "Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen und Flüchtlinge und Förderung der wissenschaftlichen Forschung" sowie zum Erhalt des deutschen Kulturgutes in Mittel- und Osteuropa verpflichtet. Und dies gilt noch heute, wenn auch vor dem Hintergrund einer -Gottseidank-veränderten europäischen Großwetterlage. wie Kulturstaatsminister Bernd Neumann gestern noch einmal deutlich machte: Die Förderung beträgt immerhin 17 Millionen Euro im Jahr! Bei der "Ostdeutschen" in Regensburg kommen davon 600 000 Euro an, der Gesamtetat für das Kunstforum beträgt knapp zwei Millionen Euro.
Hier im Regensburger Stadtpark geht es aber doch wohl nicht nur um die Vergangenheit, also um die "deutschen Wurzeln" in den Kulturräumen Osteuropas? Keineswegs, im Gegenteil: das Kunstforum unter seiner neuen Direktorin Dr. Andrea Madesta versteht sich als Vermittler zwischen Ost und West, im Spannungsfeld zwischen historischen Kulturlandschaften und aktuellem Kunstgeschehen. Nicht von ungefähr lautet das Leitmotiv der Ostdeutschen Galerie: Erinnerung & Vision! Da man im Rahmen seiner Projekte zur kulturellen Verständigung in einem erweiterten Mitteleuropa beitragen möchte und auf diese Weise eine wichtige Brückenfunktion erfüllt, erscheint Andrea Madesta der Begriff Ostdeutsche Galerie zu kurz gegriffen, ja irreführend zu sein.
Der Kulturstaatsminister der Kanzlerin, Bernd Neumann, sieht dies freilich anders. Wie er im Charivari-Interview erläuterte, besteht für den Bund als Hauptförderer der das Kulturforum tragenden Stiftung derzeit offenbar kein Handlungsbedarf. Viel wichtiger war ohnehin, dass der Gast aus Berlin wirtschaflich "Ja" zum Kunstforum sagte: Diese Fördergarantie ist sehr viel wert, und zwar für die gesamte Region.
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