100 Jahre Westhafen Regensburg
Schiffbar war unsere Donau schon immer. Kelten und Römer nutzten speziell in Regensburg diesen Strom. Im Sinne einer modernen Schifffahrt wurde hier freilich erst Mitte des 19. Jahrhunderts eine Art Hafen errichtet. Wenn der Bayernhafen Regensburg heute sein Hundertjähriges feiert, dann stimmt doch da etwas nicht, oder?
Du hast recht, aber nur bei oberflächlicher Betrachtung. Denn das Hafenfest, von heute bis zum Sonntag, bezieht sich auf den Westhafen. Und der ist in der Tat vor jetzt exakt 100 Jahren eröffnet worden. Zuvor wurde schon 1865 die Donaulände als ältester Umschlagplatz des heutigen Hafens errichtet. Durch diese - heute würde man sagen - Infrastruktur war der Warenumschlag zwischen Schiff und Eisenbahn möglich, nachdem die sog. Ostbahn die Stadt Regensburg mit München und Nürnberg hergestellt hatte. Als um die Jahrhundertwende aber die Kapazität dieser Donaulände allmählich erschöpft war, entschloss sich das Königreich Bayern zu einer neuen Hafenanlage mit hochwasserfreien Kaianlagen sowie einem Petroleumhafen. Dieser Hafen wurde nach Prinzregenten Luitpold benannt. In den 20er Jahren kam es zu einer Verlängerung des Westhafenbeckens auf 800 Meter. Der dritte Abschnitt des Regensburger Hafens ist mit dem Begriff "Osthafen" verbunden. Er entstand - drei Kilometer weiter östlich vom Luitpoldhafen - in den sechziger und siebziger Jahren .
Den Main-Donau-Kanal hast Du ja noch gar nicht erwähnt. Was hatte denn der für einen Einfluss auf den Hafen? Ja, diese Rhein-Main-Donau-Wasserstraße brachte für den Hafen Regensburg den größten Einschnitt in seiner Geschichte. Bis 1992 war Regensburg schließlich Kopfhafen, das heißt, die Donau war, vom Schwarzen Meer aus betrachtet, lediglich bis zur Steinernen Brücke in Regensburg schiffbar. Genau genommen war schon ein paar Meter vorher, an der sog. Hengstenbergbrücke, Endstation. Kein Wunder, dass die Transportmengen jener Jahre per Schiff nie wieder erreicht wurden, abgesehen davon, dass auch die Zusammensetzung der Transporte sich veränderten. Zwischen 1945 und 1990 lag der Anteil von Kohle und Stahl bei einem Drittel der zumeist zwei Millionen Tonnen an Jahresumschlag.
Gleichzeitig brachte der Europakanal der Stadt Regensburg und seinem Hafen aber auch neue Chancen, und zwar nicht nur donauabwärts, sondern auch in Richtung Westeuropa. Vor der aktuellen Krise betrug die gesamte Umschlagleistung des Hafens mit Schiff, Lkw und Eisenbahn immerhin 7,7 Millionen Tonnen. Man darf gespannt, welche Perspektiven sich dem bayerischen Finanzminister Georg Fahrenschon sowie den Vertretern von Bund und Stadt Regensburg gemeinsam mit Experten der Bauindustrie und der Binnenschiffahrt heute Nachmittag aufdrängen. Tatort dieser Diskussion: Die MS "Catwalk" - hoffentlich erleben wir auf diesem Laufsteg möglichst viele gute Ideen. Denn eine bessere Verkehrsinfrastruktur bringt tatsächlich mehr Wirtschaftwachstum. Und das brauchen wir mehr denn je. Jetzt aber wird erst einmal gefeiert, bei Hafenfest bis zum Sonntag.
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