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Cham: Extrem seltene Große Rohrdommel wieder in Freiheit

Markus Schmidberger LBV

Die im Februar in der Oberpfalz angefahrene Große Rohrdommel ist wieder gesund und bereit für ihre Rückkehr in die Freiheit. Ende Februar fand eine Autofahrerin auf der Autobahn in der Nähe von Regensburg eine verletzte und stark unterernährte Große Rohrdommel. Die Kälte und die geschlossene Schneedecke setzten dem im Donautal überwinternden Schilfbewohner stark zu. Der geschwächte extrem seltene Vogel wurde vom LBV-Zentrum „Mensch und Natur“ bei Cham aufgenommen und gepflegt. Über mehrere Monate hinweg musste die Rohrdommel wegen einer nicht verheilenden Beinverletzung auch von einem Tierarzt behandelt werden. Nach fast vier Monaten intensiver Pflege ist die Verletzung nun ausgeheilt. Auch wenn der Rohrdommel ein Hinkebein bleiben wird, stehen ihre Überlebenschancen sehr gut: „Die Vögel lernen schnell mit einem Handicap umzugehen und können solche Verletzungen gut ausgleichen“, erklärt der Leiter des LBV-Zentrums Markus Schmidberger. Die Große Rohrdommel wird heute in einem LBV-Schutzgebiet in der Oberpfalz freigelassen, in dem bereits andere Vögel der seltenen Art gehört wurden. Zu sehen bekommen auch die bayerischen Naturschützer die äußerst scheue Art im Normalfall kaum.

 

Der Bestand der Großen Rohrdommel ist fast in ihrem gesamten mitteleuropäischen Verbreitungsgebiet stark bedroht. Auch in Bayern steht der scheue Schilfbewohner kurz vor dem Aussterben. Nur noch in wenigen Regionen Bayerns gibt es einige, voneinander isolierte Einzelvorkommen. Etwa zehn Brutpaare des „Moorochsen“, wie der Vogel im Volksmund auch gerne genannt wird, gibt es noch in Bayern. „Der bayerische Bestand der Großen Rohrdommel steht kurz vor dem Zusammenbrechen“, weiß Schmidberger. Grund für den dramatischen Bestandsrückgang der Rohrdommel ist der Verlust ihres Lebensraumes. „Sie brütet ausschließlich in großflächigen, gut strukturierten Schilfröhrichten, die in den letzten Jahrzehnten durch intensive Teichnutzung, Melioration und Wasserbau vielerorts zerstört wurden“, sagt Schmidberger. Um den Bestand zu erhalten, sind Rohrdommeln von außerhalb Bayerns und verstärkte Schutzmaßnahmen nötig.  

 

Meldung vom 19.06.2017 09:58 Uhr

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