Unser Experte in diesem Monat:
Konrad Hahn
Dipl.-Betriebswirt, Versicherungsberater, Geschäftsführer gvp
Gründungsmitglied des Vereins WissensForum
Deutschland e. V. [weitere Infos zur Person]
Thema Juli:
„Umgang mit Risiken im Unternehmen –
Risiken erkennen, vermeiden und kostengünstig versichern“
Jedes Unternehmen ist täglich den unterschiedlichsten Gefahren ausgesetzt. Die Fachleute sprechen auch von Risiken. Diejenigen, die sich professionell mit der Erforschung, mit dem Umgang und mit dem Versuch der Bewältigung beschäftigen, sind größtenteils erfahrene Experten und nennen sich auch Risiko-Manager. Vereinfacht ausgedrückt, versuchen sie ein Unternehmen von allen Seiten zu beleuchten. Gleichzeitig oder noch besser schon vorher hat sich der Risiko-Manager eine Liste von Risiken zusammengestellt, die für das Unternehmen mehr oder weniger gefährlich werden könnten.
Die Kunst eines guten Risiko-Managers besteht nun darin, diese zum Teil sehr abstrakten Beschreibungen, die sich sehr umfangreich in jedem besseren Risikomanagement-Handbuch nachlesen lassen, auf das betreffende Unternehmen zu übertragen. Nun ist es sicherlich so, dass sich Unternehmen wie Siemens, Daimler und Co. diese hochdotierten Risikoberater finanziell auch leisten können. Zum Teil gibt es sogar gesetzliche Auflagen, die es erfordern, dass ganze Abteilungen hierfür unterhalten werden. In entsprechenden Verordnungen und Bestimmungen, die dann wieder auf so wohlklingende Namen wie Corporate Governance Kodex und Compliance-Richtlinien angliziert wurden, sind entsprechende Sachverhalte zusammengefasst. Der Gesetzgeber hat hier sicherlich mit der erforderlichen Weitsicht gehandelt. Um es auf den Punkt zu bringen: Wofür die Herren der Hochfinanz und die Manager der Großindustrie ganze Heerscharen von Experten beschäftigen, dafür muss ein mittelständischer Unternehmer, der möglicherweise nicht über vergleichbare finanzielle Mittel verfügt, selbst sorgen.
Wichtig erscheint uns, dass die Verantwortlichen ein vernünftiges Gespür für den Umgang mit diesem Thema entwickeln. Damit fällt es einem Entscheider auch leichter, die nicht selten sehr ausgefeilten und umfangreichen Deckungskonzepte von Versicherungsgesellschaften entsprechend einzuordnen.
Risikoerfassung
Kaum ein (mittelständisches) Unternehmen hat seine Risikosituation schon einmal systematisch erfasst. Hier gibt es einen einfachen Trick: Schreiben Sie zunächst alles in eine Liste, was Ihnen an Negativszenarien für Ihr Unternehmen so einfällt.
Achten Sie dabei im ersten Schritt gar nicht so darauf, wie wahrscheinlich oder zutreffend die einzelnen Bereiche für Ihr Unternehmen sein könnten. Blicken Sie dabei aber bewusst über den üblichen (Versicherungs-)Tellerrand hinaus. Denken Sie dabei auch an Bereiche wie:
- Marktverschiebungen
- Naturereignisse
- Umweltrisiken
- Kundenzufriedenheit
- Wettbewerber
- Liquidität und Finanzierungssteuerung
- Verschiebung von Marktanteilen
Noch einfacher geht es natürlich wenn Sie eine von Praktikern zusammengestellte Liste bei uns anfordern: info@wissensforum-deutschland.de
Risiken vermeiden
Für die Erstellung dieser Liste sollten Sie sich ruhig Zeit nehmen. Sollte sich eines dieser aufgezeigten Risiken in Ihrem Unternehmen verwirklichen, kann dies durchaus zu einer Existenzgefährdung führen. Nun müssen Sie die einzelnen Bereiche aber auch noch klassifizieren.
Die angeblichen Experten arbeiten hier mit statistischen Erhebungen, Eintrittswahrscheinlichkeiten und komplexen mathematischen Berechnungsmodellen. Für einen ersten Überblick genügt folgende Einstufung:
- nicht relevant
- geringes Risiko
- mittleres Risiko
- hohes Risiko
- existenzgefährdendes Risiko
Im Anschluss an diese Klassifizierung überlegen Sie sich - möglichst zusammen mit anderen Fachleuten aus Ihrem Unternehmen - wie Sie bestimmte Risikobereiche „bändigen“ können. Häufig lassen sich durch einfache Maßnahmen, zumindest Teilbereiche entschärfen oder ganz vermeiden.
So ist schon viel gewonnen, wenn alle EDV-technisch erfassten Daten nicht nur kopiert, gesichert und in einem extra Raum aufbewahrt werden, sondern in bestimmten Zeitabständen eine Sicherung auch extern ausgelagert wird.
Andere Risiken wiederum lassen sich möglicherweise nicht komplett vermeiden aber eben abmildern. So trägt es ganz sicher zur Reduzierung der Brandstiftungs-Gefahr bei, wenn keine brennbaren Materialien unmittelbar an den Außenseiten der Gebäude lagern. Durch diese systematische Abarbeitung erreichen Sie drei Dinge:
- Sie werden ein „Gespür“ für die Risiken im eigenen Unternehmen bekommen. Sie erkennen möglicherweise versteckte Gefahrenpotentiale, die Sie mit einfachen Mitteln abschalten und damit deutlich zur Verbesserung der Sicherheit ihn Ihrem Unternehmen beitragen können.
- Sie schärfen das Bewusstsein Ihrer Mitarbeiter für das Erkennen dieser Gefahrenpotenziale und möglicher Missstände.
- Nach dem Motto, tue Gutes und rede darüber, informieren Sie ganz gezielt Ihren Versicherungs-Agenten über die durchgeführten Maßnahmen. Viele Versicherer honorieren derartige Maßnahmen tatsächlich auch finanziell in Form von konkreten Beitragsnachlässen z.B. in der Feuerversicherung.
Existenzielle Risiken (kostengünstig) versichern
Sie merken, die Verantwortung für den richtigen Umgang mit Risiken und in der Folge des dazu passenden, ebenfalls richtigen Versicherungsschutzes, liegt ausschließlich bei der Geschäftsleitung. Wer erkannt hat, welchen Risiken das eigene Unternehmen ausgesetzt ist, dem fällt es wesentlich leichter, unnötig von unvermeidbar zu unterscheiden.
Mit derartigen Vorkenntnissen treffen Sie Entscheidungen in Bezug auf den Umfang und die Gestaltung des betrieblichen Versicherungswesens wesentlich fundierter.
Nach wie vor wird der Rat von Experten in Gestalt von Versicherungsvermittlern, Maklern, Versicherungsagenten und unabhängigen Versicherungsberatern unverzichtbar sein. Es wird Ihnen aber leichter fallen, eine fundierte Entscheidung zu treffen, wenn es um die Bewertung von Versicherungsangeboten oder bestehenden Deckungen geht.
Zu berücksichtigen ist allerdings, dass viele Unternehmen Jahr für Jahr viel Geld bei ihren Versicherungen verschenken. Nicht selten lässt sich der notwendige Versicherungsschutz wesentlich günstiger am Markt einkaufen. Fest steht, es gibt allein in Deutschland mehr als 600 Versicherer und schätzungsweise mehrere Tausend Makler, die im betrieblichen Bereich Versicherungslösungen anbieten.
Es stellt sich die Frage, inwieweit ein gesunder Wettbewerb notwenig ist. Ein bewährtes Mittel um sowohl die Leistung als auch den Preis der gegebenen Versicherungsleistung zu optimieren, ist eine strukturierte Ausschreibung. Wichtig ist dabei, sich zunächst von der emotionalen Bindung an den derzeitigen Versicherungs-Agenten - zumindest gedanklich - zu trennen. Hier gilt der Grundsatz: Wettbewerb zulassen. Nicht ganz einfach ist allerdings die Erstellung eines für die Versicherer- und Maklerlandschaft ausgelegten Leistungsverzeichnisses.
Zudem sollten auch die enthaltenen Informationen so „mundgerecht“ aufbereitet sein, dass die Versicherungs-Produktgeber nur noch „zuschnappen“ müssen. Weiterhin ist besonderes Augenmerk darauf zu legen, mindestens den derzeitigen Versicherungsschutz, der vorher kritisch hinterfragt worden ist, zu erhalten.
Eine von Experten durchgeführte Ausschreibung führt nicht selten zu erheblichen Leistungsverbesserungen und kann je nach Marktlage und Risiko-Gegebenheiten, Einsparungen bis zu 50 % bringen. Fragen Sie nach beim WissensForum Deutschland e.V.! Bleibt zum Schluss nur noch die Empfehlung, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und das Projekt möglichst zeitnah anzupacken, um möglichst bereits zum Jahreswechsel die Früchte ernten zu können.
Auf gutes Gelingen.













